Gebührenordnung für Heilpraktiker (GebüH): Aufbau, Ziffern und Höchstsätze

Was das GebüH ist, ob es 2026 noch gilt, wie die Ziffern aufgebaut sind, was über dem Höchstsatz gilt und wo Beihilfe und Versicherung weniger erstatten – mit den häufigsten Ziffern.

Stand: Fachlich geprüft von Joshua Alsen, Heilpraktiker und Osteopath (B.Sc.)

Wie aus einem dokumentierten Termin die GebüH-Rechnung wird, zeigt die Demo-Praxis von lucar:

Eine amtliche Gebührenordnung wie die GOÄ für Ärzt:innen gibt es für Heilpraktiker:innen nicht. Was im Alltag „Gebührenordnung für Heilpraktiker“ heißt, ist das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker, kurz GebüH. Dieser Ratgeber erklärt, was es verbindlich regelt und was nicht, wie die Ziffern aufgebaut sind und warum Beihilfe und private Versicherung oft weniger erstatten, als auf der Rechnung steht.

Was das GebüH ist und was nicht

Das GebüH haben die deutschen Heilpraktikerverbände 1985 herausgegeben und zum 1. Januar 2002 in Euro neu aufgelegt. Die Beträge stammen aus einer Umfrage unter niedergelassenen Heilpraktiker:innen. Das GebüH sagt über sich selbst, es sei „keine Gebührentaxe, sondern ein Verzeichnis der durchschnittlich üblichen Vergütungen, welches als Berechnungshilfe bei der Rechnungserstellung dient“.

Rechtlich beruht die Behandlung auf einem Vertrag zwischen dir und der Patientin oder dem Patienten. Die Höhe des Honorars dürft ihr frei vereinbaren. Wird nichts vereinbart, gilt nach § 612 BGB die übliche Vergütung, und genau dafür ist das GebüH der Maßstab: Wurde das Honorar vor der Behandlung nicht ausdrücklich vereinbart, darf die Patientin laut GebüH davon ausgehen, dass es sich im Rahmen der dort genannten Beträge bewegt.

Daraus folgt dreierlei:

  • Du musst nicht nach GebüH abrechnen. Pauschalen oder eigene Preise sind zulässig, wenn sie vorher vereinbart sind.
  • Ohne Vereinbarung ist das GebüH die Grenze, an der sich dein Honorar messen lassen muss.
  • Für Erstattung und Beihilfe ist es praktisch unverzichtbar, weil Versicherungen und Beihilfestellen Leistungen nach GebüH-Ziffern prüfen.

Gilt das GebüH 2026 noch?

Ja. Die Euro-Fassung von 2002 ist die aktuelle Ausgabe; eine neuere Fassung gibt es nicht (Stand November 2026). Die Beträge sind seitdem nicht angepasst worden. Wer heute nach einer „Gebührenordnung 2026“ sucht, findet deshalb dasselbe Verzeichnis wie vor über zwanzig Jahren.

Für die Praxis heißt das: Viele Höchstsätze liegen unter dem, was eine Sitzung heute kostet. Wer davon abweicht, braucht eine Honorarvereinbarung vor der Behandlung (siehe unten).

Aufbau: Ziffern mit Rahmen

Die Leistungsübersicht ist in Abschnitte von 1 bis 39 gegliedert, von den allgemeinen Leistungen (Untersuchung, Beratung, Hausbesuche) über Laboruntersuchungen, Psychotherapie, Akupunktur und Injektionen bis zur chiropraktischen und osteopathischen Behandlung. Insgesamt sind es 147 Ziffern.

Jede Ziffer hat einen Rahmen von–bis, zum Beispiel 16,40 € bis 22,00 € für eine eingehende Beratung. Einige Ziffern nennen nur einen Höchstbetrag, etwa die kurze telefonische Information (Ziffer 3, bis 4,50 €). Wo du im Rahmen liegst, richtet sich nach Aufwand und Schwierigkeit der Leistung.

Der Rahmen erfüllt damit dieselbe Aufgabe wie der Steigerungsfaktor der GOÄ, nur in anderer Form: Die GOÄ rechnet mit einem Einfachsatz mal Faktor, üblich bis 2,3. Das GebüH nennt Mindest- und Höchstbetrag direkt in Euro, und die Spanne ist je Ziffer unterschiedlich groß. Bei der eingehenden Beratung (4) ist der Höchstsatz etwa das 1,3-Fache des Mindestsatzes, bei der osteopathischen Behandlung der Schultergelenke (35.2) etwa das 1,7-Fache, bei der Beratung (5) das 2,5-Fache.

Zu manchen Ziffern stehen Anmerkungen, die für die Erstattung wichtig sind. Ziffer 5 (Beratung) wird etwa nur einmal pro Behandlungsfall neben einer anderen Leistung erstattet, Ziffer 4 (eingehende Beratung) in der Regel nur als alleinige Leistung oder zusammen mit Ziffer 1 oder 17.1.

Die häufigsten Ziffern in der Osteopathie

GebüH-Rahmen und, zum Vergleich, der Höchstbetrag der Bundesbeihilfe (Anlage 2 BBhV):

  • 1 – Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Untersuchung: 12,30–20,50 € · Beihilfe 12,50 €
  • 4 – Eingehende Beratung, mindestens 10 Minuten: 16,40–22,00 € · Beihilfe 18,50 € (dort: mindestens 15 Minuten)
  • 5 – Beratung, gegebenenfalls mit kurzer Untersuchung: 8,20–20,50 € · Beihilfe 9,00 €
  • 34.1 – Chiropraktische Behandlung: 10,50–18,00 € · Beihilfe 4,00 €
  • 34.2 – Gezielter chiropraktischer Eingriff an der Wirbelsäule: 15,40–19,00 € · Beihilfe 17,00 € (nur einmal je Sitzung)
  • 35.1 – Osteopathische Behandlung des Unterkiefers: 7,70–15,50 € · Beihilfe 11,00 €
  • 35.2 – Osteopathische Behandlung der Schultergelenke: 15,40–26,00 € · Beihilfe 21,00 € (dort: Schultergelenk und Wirbelsäule)
  • 35.3 – Osteopathische Behandlung der Handgelenke, Ober- und Unterschenkel, Vorderarme und Fußgelenke: 15,40–26,00 € · Beihilfe 21,00 €
  • 35.4 – Osteopathische Behandlung der Schlüsselbeine und Kniegelenke: 5,20–15,50 € · Beihilfe 12,00 €
  • 35.5 – Osteopathische Behandlung der Daumen: 5,20–13,00 € · Beihilfe 10,00 €
  • 35.6 – Osteopathische Behandlung der Finger und Zehen: 5,20–13,00 € · Beihilfe 10,00 €

Die Ziffern anderer Schwerpunkte, etwa Akupunktur (21), Psychotherapie (19) oder Hausbesuche (9), findest du mit allen 147 Ziffern im GebüH-Rechner. Dort kannst du sie auch direkt zu einer Beispielrechnung zusammenstellen; für Osteopath:innen gibt es eine Ansicht mit den Ziffern aus Kapitel 35. Wie Osteopathie insgesamt abgerechnet wird, erklärt der Ratgeber Osteopathie abrechnen.

Was über dem Höchstsatz gilt

Das GebüH ist eine Orientierung, keine Preisgrenze. Deine Preise darfst du frei festlegen, auch über dem GebüH-Rahmen. Entscheidend ist, dass deine Patient:innen sie vor der Behandlung kennen und ihnen zustimmen.

  • Mit vorheriger Vereinbarung schuldet die Patientin den vereinbarten Betrag. Versicherung und Beihilfe erstatten davon in der Regel höchstens bis zu ihren eigenen Grenzen, oft bis zum GebüH-Höchstsatz oder zum Beihilfe-Höchstbetrag. Die Differenz trägt die Patientin selbst. Darauf solltest du vorher hinweisen.
  • Ohne Vereinbarung gilt nach § 612 BGB die übliche Vergütung, und dafür ist das GebüH der Maßstab. Steht dann ein Betrag über dem Rahmen auf der Rechnung, kann die Patientin sich darauf berufen, nur den üblichen Betrag zu schulden.

Schriftlich ist die Vereinbarung nicht vorgeschrieben, aber nur so lässt sie sich später belegen.

Leistungen, die nicht im GebüH stehen

Viele Verfahren sind jünger als das Verzeichnis. Das GebüH sieht dafür zwei Wege vor:

  • Analog: Eine Leistung, die nicht enthalten ist, kann entsprechend einer ähnlichen GebüH-Leistung berechnet werden. Du kannst sie mit einem „A“ hinter der Ziffer kennzeichnen und solltest die tatsächliche Leistung verständlich beschreiben.
  • Ohne Ziffer: Gibt es keine vergleichbare Ziffer, wird die Leistung mit einer Beschreibung und ohne GebüH-Ziffer berechnet.

Arzneimittel und Material aus dem Praxisvorrat sowie Fremdleistungen wie ein externes Labor dürfen nur zum Einkaufspreis berechnet werden und gehören getrennt vom Honorar als Auslagen auf die Rechnung. Kleinmaterial wie Tupfer, Einmalspritzen, Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel ist nach dem GebüH nicht gesondert berechnungsfähig.

Was auf die Rechnung gehört

Das GebüH nennt in seinen allgemeinen Grundsätzen, was eine Rechnung enthalten muss, damit Patient:in und Kostenträger sie nachvollziehen können:

  1. Vor- und Zuname sowie vollständige Adresse der Patientin oder des Patienten
  2. die vollständige Diagnose, so dass ein Zusammenhang zu allen Behandlungen und Arzneimitteln erkennbar ist
  3. jede Einzelleistung mit ihrer GebüH-Ziffer
  4. jeden Einzelbetrag
  5. jeden Leistungskomplex mit Datum

Eine Quittung über „Behandlung, 80 €“ erfüllt das nicht. Welche weiteren Angaben Versicherungen erwarten, steht im Ratgeber Rechnung für die Kassenerstattung.

Was Beihilfe und Versicherung erstatten

Beihilfe. Beihilfeberechtigte bekommen Heilpraktikerleistungen nur bis zu den Höchstbeträgen aus Anlage 2 der Bundesbeihilfeverordnung erstattet. Die liegen bei vielen Ziffern unter dem GebüH-Höchstsatz, teils deutlich: für die chiropraktische Behandlung (34.1) 4,00 € statt bis zu 18,00 €. Einzelne Ziffern sind dort auch enger gefasst, etwa die eingehende Beratung (4) mit mindestens 15 statt 10 Minuten. Die Länder haben eigene Beihilfevorschriften, die abweichen können.

Private Krankenversicherung und Zusatzversicherung. Ob und wie viel erstattet wird, steht im Tarif. Häufig ist die Erstattung auf die Höchstsätze des GebüH begrenzt, manchmal zusätzlich auf einen Jahresbetrag.

Gesetzliche Krankenkassen. Heilpraktikerleistungen gehören nicht zum Leistungskatalog. Einige Kassen zahlen Zuschüsse als freiwillige Satzungsleistung, etwa für Osteopathie, mit eigenen Bedingungen.

Gibt es das GebüH als PDF?

Ja. Der Fachverband Deutscher Heilpraktiker und die DKV stellen die Euro-Fassung von 2002 als PDF bereit; die Links stehen unten in den Quellen. Das PDF enthält neben der Leistungsübersicht auch die Einführung, die allgemeinen Grundsätze zur Rechnung und ein alphabetisches Stichwortverzeichnis. Zum Nachschlagen einzelner Ziffern ist der GebüH-Rechner schneller, weil du dort nach Stichwort suchen kannst.

So macht es lucar

lucar rechnet nach GebüH ab. Der vollständige Katalog mit 147 Ziffern ist hinterlegt; deine Preise innerhalb der Rahmen legst du einmal fest, und Leistungen, die du oft zusammen abrechnest, speicherst du als Leistungskette. Eigene Leistungen ohne GebüH-Ziffer kannst du auf derselben Rechnung abrechnen.

Die Rechnung enthält Ziffer, Diagnose und Betrag je Leistung und weist steuerfreie Heilbehandlungen getrennt von umsatzsteuerpflichtigen Leistungen aus. Eine Beispielrechnung aus dem GebüH-Rechner kannst du nach der Registrierung als Leistungskette übernehmen. Mehr dazu unter Rechnungen.

Die ersten 30 Tage sind kostenlos, ohne Zahlungsmittel. Ein kostenpflichtiges Abo entsteht nur durch deine ausdrückliche Tarifwahl; wählst du während der Probezeit, beginnt die Abrechnung erst danach.

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Quellen

Diese Ratgeber entstehen bei lucar, der Praxissoftware für Osteopathen und Heilpraktiker.