Anamnesebogen Osteopathie: Welche Fragen in die Erstanamnese gehören – mit Vorlage

Welche Bereiche eine osteopathische Anamnese abdeckt, welche Fragen die Sicherheit der Behandlung betreffen und eine kostenlose Vorlage zum Übernehmen.

Stand: Fachlich geprüft von Joshua Alsen, Heilpraktiker und Osteopath (B.Sc.)

Osteopathie betrachtet nicht nur die schmerzende Stelle. Beschwerden im unteren Rücken können mit einer alten Bauchnarbe, dem Kiefer oder dem Schlaf zusammenhängen. Die Erstanamnese ist deshalb breiter als in vielen anderen Praxen, und sie hat eine zweite Aufgabe: herauszufinden, ob etwas gegen eine Behandlung spricht. Dieser Ratgeber zeigt, welche Bereiche dazugehören, und endet mit einer Vorlage, die du übernehmen und anpassen kannst.

Warum die Anamnese mehr ist als ein Formular

Die Anamnese ist Pflichtbestandteil der Behandlungsakte (§ 630f Abs. 2 BGB). Viele Praxen lassen einen Teil vorab schriftlich ausfüllen, etwa Kontaktdaten, Vorerkrankungen und Medikamente. Das eigentliche osteopathische Bild entsteht aber im Gespräch: Nachfragen zum Verlauf, zu Auslösern und Zusammenhängen lassen sich nicht ankreuzen.

Ein guter Anamnesebogen ist deshalb weniger ein Fragebogen für Patient:innen als ein Leitfaden für die Behandlerin, der sicherstellt, dass nichts Wichtiges vergessen wird.

Die Bereiche einer osteopathischen Erstanamnese

Anlass und Hauptbeschwerde. Was führt heute her, seit wann, wie hat es begonnen, gab es einen Auslöser? Was ist im Alltag das größte Problem?

Beschwerdebild und Verlauf. Ort und Ausstrahlung, Qualität (stechend, dumpf, ziehend, brennend, kribbelnd), Stärke von 0 bis 10, tageszeitlicher Verlauf, was verschlechtert und was lindert.

Bisherige Abklärung und Behandlung. Ärztliche Diagnosen, Bildgebung, Labor, bisherige Therapien und was davon geholfen hat.

Vorgeschichte. Frühere und bestehende Erkrankungen, Operationen und Narben, Unfälle, Stürze, Brüche, Schleudertrauma, Sportverletzungen.

Medikamente und Allergien. Aktuelle Medikation einschließlich Schmerzmitteln, Hormonen und Nahrungsergänzung; ausdrücklich nach Blutverdünnern, Cortison und Immunsuppressiva fragen.

Die Körpersysteme im Überblick. Kopf, Kiefer und Nervensystem (Kopfschmerz, Schwindel, Tinnitus, Zähneknirschen, Taubheit, Kraftverlust); Atmung und Herz-Kreislauf; Verdauung und Bauchraum; Urogenitalsystem und Becken, bei Frauen einschließlich Zyklus, Schwangerschaften und Geburten.

Schlaf, Energie und vegetatives System. Ein- und Durchschlafen, Nachtschmerz, Erholung, Schwitzen und Frieren, Stressreaktionen.

Lebensstil und psychosoziale Faktoren. Beruf und Haltung im Alltag, Bewegung und Sport, Belastungen, soziale Unterstützung.

Familienanamnese. Relevante Erkrankungen bei Eltern, Geschwistern und Kindern.

Ziele und Erwartungen. Was soll sich verbessern, welche Aktivität soll wieder möglich sein, gibt es Sorgen?

Fragen, die die Sicherheit betreffen

Die Weltgesundheitsorganisation hat in ihren Ausbildungsstandards für Osteopathie Kontraindikationen zusammengestellt, die aus der Gemeinschaft der Osteopath:innen stammen. Sie hängen von der Technik ab: Was gegen eine direkte Technik mit Impuls spricht, schließt eine sanfte, indirekte Technik nicht unbedingt aus. Für die Anamnese heißt das, gezielt nach Umständen zu fragen, die bestimmte Techniken ausschließen können, darunter:

  • Blutungsneigung, Gerinnungsstörungen und blutverdünnende Medikamente
  • Osteoporose oder andere Erkrankungen, die Knochen, Bänder oder Gelenke schwächen
  • frische Operationen, offene Wunden, frische Brüche
  • bekannte Tumorerkrankungen
  • akute neurologische Ausfälle, etwa ein Bandscheibenvorfall mit zunehmender Lähmung oder Störungen von Blase und Darm
  • Verdacht auf eine Gefäßerkrankung, zum Beispiel ein bekanntes Aneurysma oder Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Halsgefäße
  • akute, unklare Bauchschmerzen

Ebenso wichtig ist, verneinte Warnzeichen zu dokumentieren: „Kein Fieber, kein Gewichtsverlust, keine Blasen- oder Darmstörungen" zeigt später, dass daran gedacht wurde. Wie das in der Akte aussehen kann, zeigt der Ratgeber Dokumentationspflicht.

Die Vorlage

Die folgenden Fragen kannst du als Leitfaden übernehmen, kürzen und um eigene ergänzen. Sie sind für das Gespräch gedacht, nicht als Formular zum Ankreuzen.

  1. Anlass: Was führt Sie heute zu mir? Seit wann? Gab es einen Auslöser, einen Unfall, einen Infekt, eine Operation oder eine besondere Belastung?
  2. Beschwerdebild: Wo genau, strahlt es aus? Wie fühlt es sich an? Wie stark von 0 bis 10, jetzt, im besten und im schlechtesten Moment? Wann tritt es auf, was macht es schlechter, was besser?
  3. Begleitsymptome: Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit, Atemnot, Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Taubheit, Kraftverlust?
  4. Abklärung und Behandlung bisher: Ärztlich untersucht? Bildgebung, Labor, Diagnosen? Was wurde schon behandelt, was hat geholfen?
  5. Vorgeschichte: Welche Erkrankungen bestehen oder bestanden? Operationen, Narben, Brüche, Unfälle, Schleudertrauma?
  6. Medikamente und Allergien: Was nehmen Sie regelmäßig ein? Blutverdünner, Cortison, Immunsuppressiva, Hormone? Allergien oder Unverträglichkeiten?
  7. Kopf, Kiefer, Nerven: Kopf- oder Gesichtsschmerz, Migräne, Tinnitus, Sehstörungen? Zähneknirschen, Aufbissschiene, Kieferknacken? Kribbeln, Einschlafen von Armen oder Beinen?
  8. Atmung und Kreislauf: Atmung frei oder eng? Brustschmerz, Herzrasen, Blutdruck, Schwellungen?
  9. Verdauung: Appetit, Sodbrennen, Blähungen, Bauchschmerz? Stuhlgang, Verstopfung, Durchfall, Blut? Bauchoperationen?
  10. Becken und Urogenital: Beschwerden beim Wasserlassen, Inkontinenz? Zyklus, Schwangerschaften, Geburten, Wechseljahre? Beckenbodenbeschwerden?
  11. Schlaf und Energie: Ein- und Durchschlafen, erholt aufwachen? Nachtschmerz? Energie und Konzentration?
  12. Alltag: Beruf, Sitzen, Heben, wiederkehrende Bewegungen? Sport, Rauchen, Alkohol? Stress und Belastungen?
  13. Familie: Relevante Erkrankungen in der Familie?
  14. Ziele: Was soll besser werden? Was möchten Sie wieder können? Gibt es etwas, das ich vor der Behandlung wissen sollte?

So macht es lucar

In lucar dokumentierst du die Anamnese direkt im Termin, getippt oder per Diktat. lucar sortiert Gespräch und Notizen in feste Kategorien ein, von der Hauptbeschwerde über Medikamente und Kontraindikationen bis zu Befund, Behandlung und Verlauf. Beim Diktat füllt lucar die freien Felder automatisch; alles bleibt bearbeitbar, und bestehende Einträge werden nicht still überschrieben.

Als Admin legst du für deine Praxis fest, welche Bereiche bei Erst- und Folgeterminen dokumentiert werden sollen. Deine eigenen Fragen, zum Beispiel die Vorlage oben, pflegst du als persönlichen Spickzettel, den du im Termin aufklappst. Er ist nur für dich sichtbar und wird nicht in die Patientenakte übernommen.

Open Beta bis einschließlich 30. September 2026 kostenlos und ohne Kreditkarte. Der reguläre Start ist für den 1. Oktober 2026 geplant. Ein kostenpflichtiges Abo entsteht nur durch deine ausdrückliche Tarifwahl; ohne deinen Abschluss gibt es keine automatische Belastung.

Quellen

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